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Der Orden

Sie fiel in eine Zeit tiefen sozialen Elends: die Gründung des Ordens der Kreuzschwestern. Einen jungen Geistlichen aus Graubünden (CH) drängte es Mitte des 19. Jahrhunderts, die Not des Volkes zu lindern: Pater Theodosius Florentini.

Schule und Armenpflege hielt er für die vordergründigen Anliegen seiner Zeit. In Altdorf, im Kanton Uri, gründete er schließlich ein Schwesterninstitut. Dorthin berief er im Herbst 1844 die drei ersten Aspirantinnen, die er im Ausland zu Lehrerinnen hatte ausbilden lassen. Ihnen wurde als erste Aufgabe die Gründung einer Mädchenschule übertragen. Die kleine klösterliche Gemeinschaft – die 20-jährige Katharina Scherer aus Meggen/Luzern, die spätere Oberin, schloss sich 1845 an – wuchs sehr rasch, sodass sie bald in zahlreichen Gemeinden der Zentral- und Ostschweiz Volksschulen übernehmen konnte. 1845 wurde Pater Theodosius Dompfarrer in Chur und machte sich einen Namen als engagierter Seelsorger, Prediger und Sozialapostel.

Für die Kranken und Alten sorgte der Staat damals wenig oder überhaupt nicht. 1850 gründete Florentini in Chur sein erstes Spital; 1852 berief er zur Leitung desselben die Lehrschwester Maria Theresia Scherer; auch von Papst Pius IX. erhielt er Zuspruch. Unbeeindruckt durch zahlreiche behördliche Hürden erwarb Pater Theodosius 1855 in der Zentralschweiz ein Bauerngut in Ingenbohl am Vierwaldstättersee.
Der Bauernhof entwickelte sich zum Mutterhaus, und 1857 wurde Schwester Maria Theresia Scherer zur Generaloberin gewählt Theodosius Florentini war längst zu einem europaweit bekannten Sozialreformer geworden, bewundert von den Zeitgenossen, doch ohne die nötige Hilfe für seine Unternehmungen. Mit ihm Schritt zu halten stellte auch für die junge Frau Mutter eine Herausforderung dar. Für alle unvermutet riss der Tod am 15. Februar 1865 Pater Theodosius aus seiner rastlosen Tätigkeit.

 

Die erst 40-jährige Frau Mutter stand vor einem Berg von Schulden. Zusammen mit ihren Schwestern übernahm sie die Konkursmasse und rettete das Institut. Unermüdlich nahm sie beschwerliche Reisen durch halb Europa auf sich, besuchte die Schwestern in den verschiedenen Niederlassungen, gründete Kinderheime, Schulen, Krankenhäuser, Altersheime. Wohin sie auch kam, sie verbreitete Zuversicht und mobilisierte ungeahnte Kräfte. Ihr Tod am 16. Juni 1888 war für alle Schwestern Prüfung und Herausforderung; doch der Orden vergrößerte sich zunehmends.

Das Schwesternverzeichnis für das Jahr 1888 meldete 1596 Schwestern in 397 Häusern. Die meisten Schwestern wirkten in den Niederlassungen, die dem Mutterhaus direkt unterstellt waren, die übrigen in den Provinzen Böhmen, Oberösterreich, Slawonien, Steiermark und Mähren. Die zeitgeschichtlichen Krisen, Veränderungen und Umwälzungen von 1888 bis heute prägten die Entwicklung des Instituts, aber Geist und Beispiel der Gründer verloren ihre Kraft nicht. Die damals erstaunliche Erkenntnis von Pater Theodosius:

"WAS BEDÜRFNIS DER ZEIT, IST GOTTES WILLE" 
blieb und bleibt der zeitgemäße Wahlspruch.
Quelle: Schwester Renate Pia Venzin, 1986

 

Kreuzschwestern – regional

Schon zu Lebzeiten von Mutter Maria Theresia kamen die ersten Kreuzschwestern auf Bitten von Seelsorgern und Politikern nach Tirol und Vorarlberg. Zwischen 1870 und 1888 konzentrierten sie sich auf Schulen, Kindergärten, Armenhäuser und in Waisenasyle, um gegen die sozialen Missstände anzukämpfen. 1876 kamen sie als Krankenschwestern nach Innsbruck (heute Privatklinik Hochrum).

1904 verzeichnete die Chronik von Tirol und Vorarlberg 178 Schwestern in 30 Wirkungskreisen. In diesem Jahr wurde die Ordensprovinz Tirol-Vorarlberg mit dem Sitz in Innsbruck, später in Hall, gegründet.

Die vordringliche Aufgabe der Kreuzschwestern besteht inzwischen in der Seelsorge. Gemeinsam mit Freunden und Laienmitarbeitern suchen sie in Kirche und Welt, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Auf den Spuren ihres Ordensvaters, des hl. Franziskus von Assisi, wollen sie aus dem Evangelium leben und vielen Menschen die Frohbotschaft weitersagen.

 

Kreuzschwestern – international

Mehr als 5000 Kreuzschwestern leben derzeit in 12 Ordensprovinzen und drei Ordensvikariaten in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, Indien und Formosa. Nach dem Willen ihres Gründers sollen sie Schwestern sein, die „überall hin passen“.
Am 4. Oktober 2007 setzte die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz mit der Gründung der Provinz Europa Mitte einen weiteren wichtigen Schritt in die Zukunft: Sechs Provinzen aus Österreich, Ungarn, Bayern und das Vikariat Slowenien wurden zusammengeführt. In der neuen Provinz leben ca. 800 Schwestern in 70 Gemeinschaften.
Die Gründungsfeier fand in Wels statt. Dort wurde bereits im März mit dem Bau eines neuen Ordenshauses begonnen, das im Juni 2008 fertig gestellt werden konnte.

 

Ein kurzer Überblick:

1894 beispielsweise betreten die ersten Kreuzschwestern indischen Boden. In Betthia/Nordbihar beginnen sie ihre Missionstätigkeit, die sich schließlich auf den ganzen Subkontinent erstreckt. 100 Jahre später wirken dort bereits 650 indische Kreuzschwestern, verteilt auf drei Provinzen.
1927 reisen einige Schwestern von Ingenbohl gemeinsam mit Bethlehem-Missionaren von Immensee nach Tsitsihar in die Mandschurei, wo sie segensreich wirken, bis sie 1949 der Ausweisungsbefehl aus China hart trifft.

1955 brechen erneut vier Veteraninnen der China-Mission in den Fernen Osten auf, diesmal nach Taiwan. Nach Amerika sendet Mutter M. Aniceta Regli (Generaloberin von 1906-1921) im Jahr 1912 sechs Schwestern, und zwar nach North-Dakota in den USA. 1921 folgt sie selbst nach. Merrill im Bundesstaat Wisconsin wird zum Zentrum der späteren Provinz USA.

1966 wird das Vikariat Brasilien gegründet, wo kurz zuvor einige Kreuzschwestern die vielfältige Reich-Gottes-Arbeit unter der einheimischen Bevölkerung aufgenommen haben.

In Afrika stehen Kreuzschwestern europäischer Herkunft 25 Jahre lang der Bevölkerung in Bubanza/Burundi hilfreich zur Seite. Infolge des dort immer wieder aufflammenden Bürgerkriegs müssen sie Anfang 1996 das Land verlassen. Dafür wächst ein junger Trieb aus dem Stamm der Ingenbohler Kreuzschwestern in Uganda:

Indische Mitschwestern beginnen 1992 mit mühsamer Aufbauarbeit. Das 1999 errichtete Vikariat erfreut sich inzwischen einheimischen Nachwuchses.